Fünf TUM Projekte erhalten ERC Mittel zur Prüfung von Anwendungspotenzial

Fünf TUM Projekte erhalten ERC Mittel zur Prüfung von Anwendungspotenzial
Fünf TUM Projekte erhalten ERC Mittel zur Prüfung von Anwendungspotenzial | Bild: Andreas Heddergott / TUM

Fünf Forschungsteams der Technischen Universität München haben Proof of Concept Grants des Europäischen Forschungsrats erhalten. Die Zuwendungen sollen die Ueberprüfung der Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen beschleunigen. Gefördert werden Projekte in den Bereichen Diabetestherapie, Gefaßsensorik, Krebsimmuntherapie, Rehabilitationstechnik und Nanobeschichtung. Die TUM kann damit bislang auf insgesamt 270 ERC Grants verweisen.

Sensoren für vaskuläre Modelle

In dem Projekt FlowAgents entwickelt ein Team um Karen Alim neuartige Sensoren für Organ on Chip Systeme, die menschliche Blutgefäße und Thromboseprozesse nachbilden. Grundlage sind mikroskopisch kleine, biokompatible Hydrogelpartikel, die in ihrer Größe und Beweglichkeit Blutzellen ähneln und gemeinsam mit dem Blutfluss zirkulieren. Die Teilchen erkennen relevante Biomarker, speichern solche Ereignisse als molekulare Erinnerung und geben anschließend ein Fluoreszenzsignal ab, das die Aktivität im Gefäßnetz widerspiegelt.

Ziel ist es, ein Werkzeug bereitzustellen, mit dem Forscherinnen und Forscher Thromboseprozesse früher und detaillierter untersuchen können. Das Team will die Technologie gemeinsam mit Forschungspartnern und Unternehmen zur Marktreife weiterentwickeln und sieht langfristig Anwendungen bei der personalisierten Diagnostik kardiovaskulärer Erkrankungen.

Gezielte Aktivierung des Immunsystems gegen Tumoren

Das Projekt OnsiteOkine von Matthias Feige zielt auf eine lokal begrenzte Form des Botenstoffs Interleukin 12. IL 12 kann Immunzellen stark aktivieren, ist in wirksamer Dosierung aber systemisch hochtoxisch. Die entwickelte Variante besitzt einen mechanismus, der die Substanz nur in der unmittelbaren Umgebung der freisetzenden, gentechnisch veränderten Immunzellen stabil hält und außerhalb langsam in inaktive Bestandteile zerfällt. Dadurch soll die Wirkung direkt im Tumor entfaltet werden, während der Rest des Körpers geschont bleibt.

Nächster Schritt sind Tests in Tiermodellen und darauf aufbauend die Zusammenarbeit mit Klinik und Industrie, um die Technologie weiter in Richtung Anwendung beim Menschen zu bringen.

Automatisierte Kalibrierung für funktionelle Elektrostimulation

Sandra Hirche und ihr Team arbeiten an der automatischen Konfiguration von Stimulationsprofilen für die funktionelle Elektrostimulation. Solche Verfahren werden bereits in klinischen Studien eingesetzt, um etwa Handbewegungen nach Schlaganfall oder bei Rückenmarksverletzung zu verbessern. Die neue Methode nutzt maschinelles Lernen, um die Stimulationsparameter automatisch anzupassen und so Therapiezeit zu sparen sowie eine selbstständige Anwendung im Alltag zu ermöglichen.

Das System wurde bereits bei neurologisch gesunden Personen validiert. Mit der ERC Förderung wird nun die Erprobung bei Patientinnen und Patienten angestrebt, deren Muskelreaktionen voraussichtlich deutlich variabler sind als bei Gesunden.

Ansatz zur Umkehrung von Typ 2 Diabetes

Im Projekt BetaProtect baut Heiko Lickert auf der Entdeckung des insulininhibitorischen Rezeptors Inceptor auf. In Tierexperimenten reagierten insulinproduzierende Betazellen nach Blockade des Rezeptors besser auf Insulin, blieben länger funktionstüchtig und zeigten Ansätze von Regeneration. Die Forschenden wollen diese Befunde für die Entwicklung einer neuartigen Therapie gegen Typ 2 Diabetes nutzen, die — zumindest theoretisch — den Verlauf der Erkrankung verlangsamen oder umkehren könnte.

Der Proof of Concept Grant unterstützt die Ausgründung Viacure dabei, die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in präklinische und klinische Entwicklungsphasen zu übertragen.

Effizientere Nanobeschichtungen für die Industrie

Jan Torgersen und sein Team arbeiten an der Weiterentwicklung der Atomlagenabscheidung, um die Technik für industrielle Anwendungen attraktiver zu machen. Das Projekt BLADE will ein Niederdruckverfahren etablieren, mit dem gleichmäßige, präzise Beschichtungen auch komplexer poröser Strukturen schneller und kostengünstiger erzeugt werden können. Mögliche Einsatzfelder reichen von Energie- und Batterietechnik bis zu extrem beanspruchten Materialien in Raumfahrt und Schifffahrt.

Das Vorhaben baut auf früheren ERC geförderten Projekten auf und soll die Atomlagenabscheidung wirtschaftlicher machen, um Anwendungen über die Laborskala hinaus zu ermöglichen.

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