Seit 2018 stark steigender Biomasseverlust in Europas Wäldern mindert Kohlenstoffsenken

Seit 2018 stark steigender Biomasseverlust in Europas Wäldern mindert Kohlenstoffsenken
Seit 2018 stark steigender Biomasseverlust in Europas Wäldern mindert Kohlenstoffsenken | Bild: Sebastian Kissel / TUM

Satellitengestützte Analysen von Forschenden der Technischen Universität München zeigen, dass Europas Wälder seit 2018 ungewöhnlich hohe Verluste an oberirdischer Biomasse verzeichnen. Besonders betroffen sind Wälder in Mitteleuropa. Der Befund hat direkte Folgen für die Kohlenstoffbilanz der Wälder und damit für die Klimaziele der Europäischen Union.

Daten und Auswertung

Erstmals wurden Änderungen der Waldbiomasse flächendeckend für ganz Europa untersucht, indem Satellitendaten zur Änderung der Waldbedeckung mit Informationen über die im Wald gespeicherte Biomasse kombiniert wurden. Die Auswertung zeigt einen deutlichen Anstieg des Biomasseverlusts ab 2018. Im Vergleich zur Periode 1985 bis 2017 gingen seit 2018 im Mittel pro Hektar jährlich 46 Prozent mehr Biomasse verloren.

Regionale Unterschiede und Ursachen

Die Belastung ist regional sehr unterschiedlich. Mitteleuropäische Wälder sind besonders biomassereich und gleichzeitig anfälliger für Dürre, Borkenkäferbefall und Stürme. In Deutschland verlieren gestörte Wälder nach den Angaben der Forschenden jährlich im Schnitt rund 125 Tonnen Biomasse pro Hektar und setzen damit etwa 230 Tonnen CO2 Äquivalente frei. Vor 2018 lag dieser Wert noch bei etwa 170 Tonnen CO2 Äquivalente pro Hektar. Mediterrane und skandinavische Wälder enthalten im Durchschnitt weniger Biomasse und verlieren entsprechend auf gleicher Fläche weniger Kohlenstoff.

Die Forschenden führen den abrupten Anstieg seit 2018 überwiegend auf klimawandelbedingte Ereignisse zurück. Dürreereignisse schwächen demnach Bäume und verbessern zugleich die Lebensbedingungen für Borkenkäfer. Solche Störungen dürften nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren künftig häufiger auftreten und sollten stärker in forstliche Planungen einfließen, insbesondere wenn Wälder als Kohlenstoffsenken eingeplant werden.

Auswirkungen auf Klimaziele und Handlungsoptionen

Über den Zeitraum 1985 bis 2023 wurden den Ergebnissen zufolge insgesamt 18 Prozent der Biomasse in Europa durch natürliche Ereignisse wie Insektenbefall, Stürme, Dürren und Brände zerstört. In der Phase 1985 bis 2017 lag dieser Anteil bei 17 Prozent, in den Jahren 2018 bis 2023 bereits bei 23 Prozent. Parallel dazu entfielen 82 Prozent des Biomasserückgangs auf Waldbewirtschaftung. Eingriffe durch die Holznutzung lassen sich grundsätzlich beeinflussen und führen nicht immer zu unmittelbaren CO2 Emissionen, da entnommenes Holz häufig als Rohstoff verwendet wird.

Vor dem Hintergrund der europäischen Klimapolitik ist der Trend relevant. Die EU strebt an, ab 2030 jährlich 310 Megatonnen CO2 Äquivalente in Wäldern zu binden, um schwer vermeidbare Emissionen zu kompensieren. Studien zeigen bereits jetzt, dass die Speicherleistung der Wälder abnimmt. So speicherten Europas Wälder 2020 bis 2022 nach aktuellen Schätzungen rund 72 Prozent weniger CO2 Äquivalente als in der Zeit 2010 bis 2014. Die neue Analyse der TUM legt nahe, dass sich diese Entwicklung verschärfen könnte.

Vor diesem Hintergrund rufen die Forschenden zu angepasstem Waldmanagement auf. Waldflächen könnten sich von Störungen erholen, heißt es, doch dafür sei es notwendig, die Speicherfunktion der Wälder zu erhöhen und sie an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen. Solche Maßnahmen gelten als zentral, um die Kohlenstoffspeicherung in europäischen Wäldern stabiler zu gestalten.

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