Masterarbeiten als Gründungsinstrument: TUM Programm führt zu rund 80 Startups

Masterarbeiten als Gründungsinstrument: TUM Programm führt zu rund 80 Startups
Masterarbeiten als Gründungsinstrument: TUM Programm führt zu rund 80 Startups | Bild: TUM

Die Technische Universität München fördert mit der Entrepreneurial Masterclass die Verbindung von wissenschaftlicher Abschlussarbeit und Gründungspraxis. Teilnehmende können in ihrer Masterarbeit Fragen bearbeiten, die für die eigene Gründung oder für die Verbesserung der Gründungsförderung relevant sind. Für das Programm erhielt die Universität den Bayerischen Hochschulpreis Entrepreneurship MöglichMacher 2026.

Programm und Anspruch

Die Initiative richtet sich an Masterstudierende aller Fakultäten und will das Potenzial heben, das in Abschlussarbeiten steckt. Programmmanager Tim Bernhard beschreibt das Ziel so: Studium und Entrepreneurship sollen stärker verknüpft werden, damit aus Forschungsergebnissen konkrete Geschäftsmodelle oder Impulse für die Förderlandschaft entstehen. Laut Angaben der TUM haben mehr als 500 Teilnehmende in den ersten sechs Jahren mit ihren Arbeiten zu Gründungen beigetragen.

Akademische Qualität ist Teil des Konzepts. Professorin Anne Tryba, eine der akademischen Leiterinnen, betont, dass der wissenschaftliche Anspruch der Arbeiten unverändert hoch bleibe und die Themen eine Relevanz über das einzelne Gründungsvorhaben hinaus besitzen sollen.

Drei Wege von der Arbeit in die Praxis

Die Masterclass bietet drei unterschiedliche Pfade. Im Startup Creation Track bearbeiten Studierende eine Fragestellung mit direktem Bezug zu einer eigenen Gründung. Im Tech Venture Challenge werden bestehende Gründungsteams mit Masterstudierenden zusammengebracht, um fachliche Lücken zu schließen. Der Entrepreneurship Support Track lässt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Untersuchungen zur Wirksamkeit von Gründungsförderung oder zur Ausbildung im Bereich Entrepreneurship durchführen.

Die Angebote umfassen halbjährliche Gruppenformate, Seminare zum wissenschaftlichen Arbeiten und Austausch mit Akteuren aus Startups und Venture Capital. Zusätzlich stehen Arbeitsräume und Vernetzungsmöglichkeiten im Munich Urban Colab zur Verfügung. Bei Bedarf kann der Übergang in weiterführende Förderprogramme der TUM erfolgen, etwa in den UnternehmerTUM Incubator.

Beispiele aus der Praxis

Ein Praxisbeispiel ist Nils Börner. Während seines Informatikstudiums nutzte er die Masterclass, um eine marktrelevante Fragestellung systematisch zu prüfen. Zunächst analysierte er, wie sich überflüssige Fahrten von Gabelstaplern in Umschlagshallen mathematisch optimieren lassen. Bei der anschließenden Bewertung kam er zu dem Ergebnis, dass die entwickelte Lösung als Geschäftsmodell wenig erfolgversprechend wäre. Die frühzeitige Validierung sparte ihm nach eigenen Angaben Zeit im Gründungsprozess.

Später konzentrierte sich Börner mit zwei Mitgründerinnen und Mitgründern auf ein anderes Problem in der Logistik: viele Versender nennen fehlerhafte Frachtmaße. Das Team entwickelte eine Methode, um Packstücke automatisch mit vorhandenen Überwachungskameras zu vermessen. Aus dieser Arbeit entstand im Frühjahr dieses Jahres das Startup transload, das im UnternehmerTUM Incubator unterstützt wird. Börner betont, dass die intensive Zusammenarbeit mit einer Spedition während der Masterarbeit den Zugang zu ersten Kunden erleichtert habe.

Ein weiteres Beispiel ist Lukas Kutschker. Er schloss sich einem Team an, das biobasierte Harze entwickelt. Aus der Kooperation entstand für ihn ein dauerhafter Einstieg in das Projekt, heute ist er Mitgründer und übernimmt operative und finanzielle Aufgaben.

Forschung zur Gründungsförderung

Der dritte Pfad der Masterclass richtet den Blick auf die Frage, wie Gründungen erfolgreicher werden. Ricarda Lawrence untersuchte Teamdynamiken und Konfliktverhalten, weil viele Startups laut ihr an internen Konflikten scheitern. Ihre Beobachtungen und Analysen flossen in eine Langzeitstudie zu Teamzufriedenheit und Konfliktverhalten ein. Der Austausch mit Gründerinnen und Gründern in der Masterclass habe ihr erlaubt, Hypothesen zu prüfen und die Relevanz ihres Themas zu verifizieren. Die Beteiligung an der Community führte bei ihr zudem zu einer zusätzlichen Qualifikation als Coach.

Bilanz und Auszeichnung

Nach Angaben der TUM entstanden aus den Aktivitäten der Masterclass bisher mehr als 150 Gründungsprojekte, rund 80 davon haben sich als Startups formiert. Die Universität wurde für dieses Förderkonzept mit dem Bayerischen Hochschulpreis Entrepreneurship MöglichMacher 2026 ausgezeichnet. Die Jury würdigte damit ein strukturiertes Vorgehen, das wissenschaftliche Arbeiten mit konkreten Schritten zur Markteinführung verknüpft.

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