Studentisches Projekt verbindet Kochen und Forschung zu Darmkrebsprävention

Studentisches Projekt verbindet Kochen und Forschung zu Darmkrebsprävention
Studentisches Projekt verbindet Kochen und Forschung zu Darmkrebsprävention | Bild: Fabian Vogl / TUM

In einer Lehrküche am Campus Olympiapark kochte ein studentisches Team gemeinsam mit rund 20 Teilnehmenden pflanzenbasierte Gerichte und diskutierte dabei über Ernährung und Darmgesundheit. Ziel der Veranstaltung war, wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Ernährungsforschung praktisch nachvollziehbar zu machen und Präventionsmaßnahmen gegen Darmkrebs auch für jüngere Menschen zu vermitteln.

Gemeinsames Kochen als Gesprächsraum

Bei dem Projekt Science Snack wurden Zwiebelschalen, Petersilienstängel und andere Gemüsereste verwendet, die sonst im Biomüll landen. Auf dem Herd garte Kochbanane, im Ofen lagen Datteln, und zerbröselter Tofu mit Erdnussbutter brutzelte in der Pfanne. Die Atmosphäre in der Lehrküche beschrieb einer der Köche als ungezwungen: „Essen verbindet Menschen, und während man zusammen schnippelt, kocht und probiert, fällt es viel leichter, auch über Themen wie Darmgesundheit oder Darmkrebsprävention zu sprechen. Es fühlt sich nicht wie ein Vortrag an, sondern wie ein ganz normales Gespräch.“, sagte Viet Ha Dietrich Nguyen.

Initiatorin Anna Fuhrmann, Masterstudentin der Molekularen Biotechnologie, nutzte den Moment vor dem Essen, um auf Warnzeichen und Risikofaktoren aufmerksam zu machen. Sie nannte Blut im Stuhl als wichtigstes Warnsignal und riet Betroffenen, dies ärztlich abklären zu lassen. Auch anhaltende Veränderungen der Stuhlgewohnheiten oder ungewöhnliche Bauchschmerzen sollten untersucht werden.

Wissenschaftliche Befunde zur Ernährung und Darmkrebs

Forschende beobachten seit einigen Jahren einen Anstieg von Darmkrebserkrankungen bei Menschen zwischen 20 und 39 Jahren. „Wir wissen heute, dass Ernährung zu den wichtigsten beeinflussbaren Lebensstilfaktoren für das Darmkrebsrisiko gehört“, sagte Olivia Coleman vom Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie der TUM School of Life Sciences.

Coleman bezeichnete eine westliche Ernährungsweise mit vielen stark verarbeiteten Lebensmitteln, hohem Fett- und Zuckergehalt sowie wenigen Ballaststoffen als besonders ungünstig. Demgegenüber fördere eine ballaststoffreiche Kost mit viel Obst und Gemüse ein gesundes Darmmikrobiom. Teammitglied Lisa Stein wies darauf hin, dass Nitritpökelsalz in verarbeiteten Fleischprodukten problematisch sein könne: „Beim nächsten Einkauf könnt ihr gerne mal auf den Verpackungen nachschauen. Das ist sehr häufig drin. Wenn man allein das vermeidet, tut man sich selbst schon etwas Gutes.“, so Stein.

Praktische Umsetzung und Reichweite

Science Snack demonstriert, wie sich diese Erkenntnisse im Alltag umsetzen lassen. Das Projekt gehörte zu den zehn ausgezeichneten Vorhaben beim Hochschulwettbewerb 2026 von Wissenschaft im Dialog aus mehr als 220 Einreichungen. Mit einer mobilen Küche ist das Team zudem auf Festivals vertreten, um Wissenschaft dort anzusprechen, wo viele Menschen zusammenkommen.

Bei einem Straßenfestival verteilte das Team gewaschene Bio Kiwis mit Schale, um auf den Ballaststoffgehalt in und unter der Schale hinzuweisen. „Es war super interessant zu beobachten, wie die Menschen von ‚Auf gar keinen Fall‘ zu ‚Schmeckt ganz normal‘ gewechselt sind und somit einen praktischen Tipp für mehr Ballaststoffe im Alltag direkt umsetzen konnten.“, berichtete Maren Neumann aus der Projektleitung.

An den Kochabenden gibt es verschiedene Stationen zum Ausprobieren. An einer Fermentierstation erläuterte Fuhrmann den gesundheitlichen Nutzen der Lacto Fermentation und verteilte eine Kostprobe fermentierter Wassermelone, bevor Teilnehmende selbst Gemüse in Salzlake einlegten. Fuhrmann berichtete, dass sie das Fermentieren aus familiären Traditionen kenne und die Methode gern an andere weitergebe. Für den Doktoranden Frederik Keil bleibt die Erkenntnis einfach: „Es ist eigentlich ganz einfach viel einfacher als gedacht.“, sagte er.

Das Projekt zielt darauf ab, Teilnehmende zu motivieren, zuhause Neues auszuprobieren, Ernährungsmythen kritisch zu hinterfragen und den Spaß am Kochen zu fördern. Durch solche Angebote soll Wissenschaft greifbar werden und der Austausch zwischen Forschung und Öffentlichkeit gestärkt werden.

Quelle anzeigen