Sortierverfahren könnte Kunststoffkreislauf bei Altfahrzeugen stärken
In der Europäischen Union werden jährlich vier bis sechs Millionen Fahrzeuge verschrottet. Forschende der Technischen Universität München haben einen Sortierprozess untersucht, der Kunststoffreste aus diesen Fahrzeugen zurückgewinnen soll. Ihrer Analyse zufolge kann das Verfahren nicht nur helfen, die angestrebten Recyclinganteile in Neuwagen zu erreichen, sondern auch die Emissionen aus der Verbrennung von Reststoffen deutlich reduzieren.
Verfahren und Tests
Ausgeschlachtete Fahrzeuge liefern nach der Demontage einen heterogenen Reststrom aus Metallen, Textilien, Schaumstoffen, Verbundmaterialien und Kunststoffen. Bisher werden viele dieser Reste in Industrieanlagen verbrannt. Im Rahmen des Projekts Car2Car entwickelten die Forschenden ein mehrstufiges Aufbereitungsverfahren. Dabei werden Rückstände zerkleinert, gesiebt und mit Sensoren im mittleren Infrarotbereich sortiert, um verwertbare Kunststofffraktionen zu isolieren.
Der Prozess wurde an mehr als 400 Altfahrzeugen verschiedener Antriebsarten erprobt. Die Analyse zeigte, dass die gewonnenen Kunststoffrezyklate nach weiteren Aufbereitungsstufen potenziell wieder in Neuwagen eingesetzt werden können. Die Autorinnen und Autoren weisen zugleich auf methodische Einschränkungen hin, weil ein großer Teil der Versuchsfahrzeuge vom gleichen Hersteller stammte und ein ähnliches Alter hatte.
Auswirkungen auf Recyclingziele und Klima
Die EU plant, schrittweise einen höheren Anteil an Post Consumer Recycling in Neuwagen vorzuschreiben. Künftig sollen 25 Prozent des in Neuwagen verbauten Kunststoffs aus solchen Recyclingquellen stammen. Ein Teil dieses Rezyklats soll aus dem Recycling von Altfahrzeugen stammen, um einen geschlossenen Materialkreislauf zu fördern.
Auf Basis eines Stoffstrommodells untersuchten die Forschenden verschiedene Szenarien. In einzelnen Konstellationen könnte das getestete Sortierverfahren die für 2035 diskutierte Automotive Closed Loop Quote von 3 Prozent erreichen. Darüber hinaus zeigte die Modellrechnung das Potenzial, die sonst bei der Verbrennung entstehenden Treibhausgasemissionen um rund 29 Prozent zu senken.
Änderungen entlang der Wertschöpfungskette nötig
Die Studie betont, dass technisches Recycling allein nicht ausreicht. Ein höherer Rezyklateinsatz erfordere zudem Anpassungen in der Fahrzeugkonstruktion und die Verwendung besser recycelbarer Materialien und Komponenten. Ein Übergang zu mehr Kreislaufwirtschaft beginne daher nicht erst bei der Verschrottung, sondern bereits in Entwurfsphase und Produktion.
Der verantwortliche Forscher Magnus Fröhling sieht die Ergebnisse als pragmatischen Einstieg in eine nachhaltigere Autoindustrie. Er mahnt, die Befunde vor dem Hintergrund der Versuchsbeschränkungen zu bewerten und plädiert für eine Kombination aus pragmatischen Maßnahmen und ambitionierten Zielen, um das Potenzial für Recycling und Emissionsreduktion auszuschöpfen.
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