Studie: E-Bike-Stürze führen besonders bei älteren Männern häufig zu schweren Kopfverletzungen

Studie: E-Bike-Stürze führen besonders bei älteren Männern häufig zu schweren Kopfverletzungen
Studie: E-Bike-Stürze führen besonders bei älteren Männern häufig zu schweren Kopfverletzungen

Die Zahl der Unfälle mit E-Bikes nimmt zu, und besonders ältere Männer sind gefährdet, schwere Kopfverletzungen zu erleiden. Ärztinnen und Ärzte des Klinikums der Technischen Universität München haben dafür die Fälle untersucht, die zwischen 2017 und 2023 in der Unfallchirurgie behandelt wurden.

Mehr Fälle, höhere Schwere

In der Studie wurden 103 verletzte E-Bike-Fahrerinnen und Fahrer erfasst. Fast die Hälfte dieser Fälle wurde allein 2023 registriert, das entspricht einem Anstieg um das Anderthalbfache gegenüber dem Vorjahr. Über ein Drittel der Patientinnen und Patienten mussten stationär aufgenommen werden. Zehn Prozent der Behandelten kamen auf die Intensivstation, fast ausnahmslos wegen schwerer Hirnverletzungen.

Alters- und Geschlechtsmuster

Die intensivmedizinisch behandelten Patientinnen und Patienten waren im Mittel 77 Jahre alt und nahezu ausschließlich Männer. Keiner von ihnen trug einen Helm. Die Untersuchenden beobachten damit ein deutliches Risiko älterer männlicher E-Bike-Fahrer für besonders schwere Folgen nach Stürzen.

Mechanismen und Risikofaktoren

Die Ärztinnen und Ärzte beschreiben wiederkehrende Unfallmuster: Die elektrische Unterstützung kann das subjektive Gefühl von Anstrengung reduzieren, sodass fahrende Personen Warnsignale etwa bei sinkendem Blutzuckerspiegel weniger schnell bemerken. Hinzu kommt das Gewicht moderner E-Bikes von rund 20 Kilogramm, das die Kontrolle beim Ausbrechen des Gleichgewichts erschwert. In der Folge treten Stürze auf, bei denen sich Fahrende nicht abstützen können und der Kopf besonders gefährdet ist.

Ein weiterer Faktor ist die Einnahme von Blutverdünnern. Knapp die Hälfte der Intensivpatienten in der Untersuchung nahm solche Medikamente ein, während dies bei den weniger schwer Verletzten nur auf etwa zehn Prozent zutraf. In Kombination mit Kopfverletzungen führt dies zu einem erhöhten Blutungsrisiko und damit zu schwereren Verläufen.

Zeitliche und örtliche Muster sowie Prävention

Im Gegensatz zu E-Scooter-Unfällen, die häufiger abends und nachts passieren, traten die E-Bike-Stürze überwiegend tagsüber auf. Die Betroffenen waren laut den Untersuchenden oft im Alltag unterwegs, zum Beispiel für Besorgungen. Die Forscher weisen darauf hin, dass das Umfeld der Klinik, zentral in München gelegen, die Fallmuster beeinflussen kann. Kliniken in der Nähe von Mountainbike-Strecken werden vermutlich andere Verteilungen sehen.

Die Autorinnen und Autoren der Untersuchung fordern konsequenten Helmgebrauch. nach ihrer Einschätzung hätten Helme vermutlich viele der schweren Kopfverletzungen und die damit verbundenen Intensivbehandlungen verhindern können. Vor Feiertagen wie Ostern erwarten die Ärztinnen und Ärzte zudem eine Zunahme der Fallzahlen und rufen zu erhöhter Vorsicht auf.

Die Studie basiert auf der Auswertung der in der Unfallchirurgie des TUM Klinikums zwischen 2017 und 2023 behandelten Fälle. Die Forschenden sehen in den Ergebnissen Anlass für Aufklärung über Risikofaktoren und für Maßnahmen, die insbesondere ältere E-Bike-Nutzende schützen sollen.

Quelle anzeigen